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Destillierte Weisheit

Die ISO, die Internationale Organisation für Standardisierung, schlägt auf ihrer Website vor, dass wir uns Standards vorstellen sollten „als eine Formel, die den besten Weg beschreibt, wie man etwas tut“. Das mag ein wenig vage klingen, aber es folgt eine ausführlichere Definition:

„Standards sind die destillierte Weisheit von Menschen, die über Fachwissen in ihrem Bereich verfügen und die Bedürfnisse der Organisationen kennen, die sie repräsentieren – Menschen wie Hersteller, Verkäufer, Käufer, Kunden, Handelsverbände, Nutzer oder Regulierungsbehörden.“

Trotz ihrer etwas hochtrabenden Sprache vermittelt diese Definition eine Vorstellung davon, wie verbreitet Standards mittlerweile sind. Es gibt sie wirklich überall. Zehntausende von Richtlinien regeln so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann: Lebensmittelsicherheit, medizinische Geräte, Bilder für Computerdateien…

Die ISO hat 165 nationale Normungsgremien als Mitglieder, aber es gibt noch viele andere Organisationen, die Normen entwickeln und sich auf bestimmte Branchen und Technologien wie das Internet spezialisiert haben. Das Internet ist ein riesiges Ökosystem, das aus Myriaden miteinander verbundener Netze besteht und nicht von einer zentralen Behörde reguliert wird. Damit all diese Netze miteinander kommunizieren können – und damit wir das Internet ungehindert nutzen können -, müssen Standards also frei zugängliche Spezifikationen haben. Sie müssen jedermann offen stehen, woher auch die Bezeichnung „offene Standards“ stammt.

 

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Offen bleiben

Da die verschiedenen Normungsorganisationen unterschiedliche Richtlinien verwenden, gibt es keine allgemeingültige Definition von offenen Standards, aber die Befürworter sind sich über die grundlegenden Aspekte einig, die sich wie folgt zusammenfassen lassen.

 

Ein offener Standard ist ein Format oder eine Schnittstelle,die…

  • frei und öffentlich zugänglich ist
  • keinen rechtlichen oder technischen Beschränkungen unterworfen ist
  • interoperabel ist

Mit anderen Worten: Sie kann angepasst, implementiert und weiterentwickelt werden.

Ein einfaches Beispiel für einen offenen Standard ist HTML5, die Programmiersprache, die für die Gestaltung und Darstellung von Online-Inhalten verwendet wird. Die Tatsache, dass sie offen ist, bedeutet, dass Sie eine Website erstellen und dabei sicher sein können, dass sie unabhängig von dem verwendeten Gerät oder Browser funktioniert. Ebenso können Sie eine einfache Textdatei (.txt) in Notepad erstellen und sie dann in einem anderen Texteditor wie Microsoft Word öffnen – denn ebenso wie HTML5 basiert auch eine einfache Textdatei auf einem offenen Standard.

Wenn es mehr als eine Art von Software gibt, die mit der gleichen Anwendung verbunden werden kann, spricht man von einer offenen Schnittstelle. Dasselbe gilt für Hardware: Sie können mehrere Produktmarken an ein bestimmtes Gerät mit einer offenen Schnittstelle anschließen. Beispiel USB: Ein USB-Stick kann mit jedem Desktop-Computer oder Laptop verwendet werden, der einen USB-Anschluss hat, unabhängig von der jeweiligen Marke.

Durch die gemeinsame Nutzung offener Standards schaffen die Unternehmen im wahrsten Sinne des Wortes einen Mehrwert für sich selbst, aber auch für ihre Kunden, denn diese können mit anderen zusammenarbeiten, ihre Anwendungen aktualisieren, die Software/Hardware frei wählen und müssen sich dabei keine Gedanken über die Kompatibilität machen (auf die Kompatibilität bzw. deren Fehlen werden wir später noch zu sprechen kommen.) Darüber hinaus kann die Gesellschaft als Ganzes von offenen Standards profitieren, da sie dafür sorgen, dass Systeme und Dienste effizienter, wettbewerbsfähiger und innovativer sind.

Sie denken sich vielleicht: „Wenn es offene Standards gibt, muss es auch geschlossene Standards geben?“ Sie haben Recht. Sie werden auch proprietäre Standards genannt.

 

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Außerhalb Ihrer Kontrolle

Wie der Name schon andeutet, sind proprietäre Standards das Eigentum einer Organisation oder Einzelperson. Wenn es um ihre Verwendung, Verbreitung oder Veränderung geht, gelten bestimmte Beschränkungen. Ihre Verwendung kann beipielsweise kostenlos sein, aber ihre Dateispezifikation nicht öffentlich zugänglich. Alles, was Sie tun können, ist durch vordefinierte Bedingungen geregelt, wie z. B. Endbenutzer-Lizenzvereinbarungen. Ein bekanntes proprietäres Format ist das von Microsoft Word. Es ist jedoch anzumerken, dass Produkte, die auf der Grundlage proprietärer Standards entwickelt wurden, gut miteinander funktionieren: alle Microsoft-Programme sollten z. B. unter Microsoft Windows funktionieren.

Tatsächlich ist der proprietäre Ansatz eher der klassische. Für gewöhnlich sind die von einem Unternehmen hergestellten Produkte seit durch ein Urheberrecht, eine Marke oder ein Patent geschützt, um sicherzustellen, dass sie nicht kopiert oder „gestohlen“ werden können, da sie geistiges Eigentum sind. Die Motivation dahinter ist, die Kunden dazu zu bringen, andere Produkte desselben Unternehmens zu kaufen. Paradoxerweise ist dies auch der größte Schwachpunkt des proprietären Ansatzes: Die Kunden zögern möglicherweise, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu kaufen, die ihre Auswahl einschränkt. Wenn sie dies tun, könnten sie sich dadurch in eine Sackgasse manövrieren. In den Anfängen von iTunes ist das vielen Leuten passiert: So konnte die Musik, die über Apples Plattform gekauft wurde anschließend nur auf einem iPad oder innerhalb der iTunes-Anwendung abgespielt werden.

Die von einem bestimmten Anbieter verwendeten proprietären Technologien – egal, ob es sich dabei um Software oder Hardware handelt – sind häufig nicht mit denen seiner Wettbewerber kompatibel. Folglich können Kunden ein Produkt oder einen Dienst, den sie bisher genutzt haben, nicht einfach ersetzen und zu einer gleichwertigen Lösung eines anderen Anbieters wechseln. Dieses Phänomen wird gemeinhin als Vendor Lock-in bezeichnet.

 

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Lassen Sie sich nicht einsperren

Stellen Sie sich vor, Ihr Unternehmen investiert eine Menge Geld in den Service eines bestimmten Anbieters. Sie gehen eine Verpflichtung ein, indem Sie einen fünfjährigen Lizenzvertrag unterzeichnen, vielleicht auch einen Vertrag über die Erneuerung der Hardware, aber dann erhöht der Anbieter seine Preise, oder Sie stellen vielleicht fest, dass die Qualität seiner Dienstleistung nachlässt. Das größte Problem ist jedoch, dass die Anbieter oft zu viel Kontrolle über die Daten ihrer Kunden haben. Daten und Informationen bilden oft das Fundament von Unternehmens. Sind sie in einem proprietären System eingesperrt, haben Unternehmen oft keine andere Wahl, als diese Kontrolle zu akzeptieren.

Läuft der Vertrag dann aus, scheint ein Vertragsverlängerung häufig alternativlos – Sie sind wegen proprietärer Standards in einem System gefangen.

Die gute Nachricht ist, dass offene Standards diesen so genannten „Vendor Lock-in“ verhindern können – neben Sicherheitsaspekten wie der größeren Transparenz hinsichtlich der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben sowie der besseren Wartbarkeit ist dies einer der größten Vorteile, die offene Standards bieten. Wer auf sie setzt, muss keine Abhängigkeit von einzelnen Anbietern befürchten und kann sicherstellen, dass seine Daten nicht in einem geschlossenen Systemen eingesperrt sind. Herstellerneutralität bedeutet mehr Flexibilität, eine effizientere und innovativere Ressourcennutzung, Interoperabilität und eine insgesamt bessere Kommunikation innerhalb Ihrer Organisation.

Aus den oben genannten Gründen stützt sich die Infinica-Plattform ausschließlich auf offene Standards. Dies ermöglicht es Ihnen, jederzeit unabhängig von uns zu agieren, wenn Sie dies wünschen. Im Mittelpunkt unserer Firmenphilosophie steht eine langfristige und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Nicht künstliche Barrieren, sondern überzeugende Produktlösungen helfen uns, unsere Kunden an uns zu binden – Lösungen, die sie frei, überall und jederzeit nutzen können. So wie die österreichische Bankomatkarte auch in vielen anderen Ländern verwenden können.

 

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